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Exkursion Schwäbisch Hall

Nachdem die Klasse 10b sich pünktlich um 7.45 Uhr vor dem Hariolf-Gymnasium eingefunden hatte, konnte die Exkursion auch sofort starten. Ein Reisebus der Firma Mack holte uns ab und fuhr uns, zusammen mit Herrn Mühlich und Frau Brauchle, die anstelle des erkrankten Herrn Brauchle mitfuhr, nach Schwäbisch Hall. Dadurch, dass Herr Mühlich uns den Jahrbuchbericht des letzten Schuljahres vorlas, stimmte er uns schon auf die Besichtigung der Stadt ein. Um 8.30 Uhr kamen wir am Holzmarkt in Schwäbisch Hall an und hatten somit noch eine halbe Stunde Zeit bis zum Beginn der Führung. Diese nutzten wir, um einen ersten Eindruck der Stadt zu gewinnen und uns mit Kaffee und Kakao zu wärmen, denn Herrn Mühlichs Wetterprognosen eines schönen Herbsttages hatten sich nicht bestätigt. Pünktlich um 9.00 Uhr traf sich unsere ganze Klasse wieder mit Herrn Mühlich und Frau Brauchle am Fischbrunnen, wo die beiden zusammen mit unserer Stadtführerin Renate Herterich, einer gebürtigen Ellwangerin, auf uns warteten.

Als erstes erfuhren wir, wie die Stadt zu ihrem Namen gekommen ist. Schwäbisch Hall wird in den ältesten Urkunden meist nur Hall genannt. Dies kommt aus dem Griechischen und bedeutet Salz, wovon in diesem Gebiet reichlich vorhanden ist. Salz wurde auch weißes Gold genannt, denn es war als Tauschmittel und zum Haltbarmachen der Lebensmittel wichtig. Salz war also lebensnotwendig für die Menschen dort. Da in Schwäbisch Hall nicht Schwäbisch, sondern Fränkisch gesprochen wird, ist es verwunderlich, wie die Stadt Hall zu ihrem Beinamen kam. Dafür hatte unsere Stadtführerin zwei Theorien: Die jungen Männer, die sich von Hall aus in weiter weg gelegene Städte zum Studieren aufmachten, wurden immer wieder gefragt, aus welchem Hall sie denn stammten, denn es waren auch andere Städte, die den Namen Hall trugen, bekannt. Da es im frühmittelalterlichen Herzogtum (Ost-) Franken bereits die Stadt Friedrichshall gab und im Herzogtum Schwaben keine „Hall-Stadt“ bekannt war, so wurde die Stadt in „Schwäbisch Hall“ umbenannt. Die dauerhafte Benennung als Schwäbisch Hall ist späteren Datums und hat ihre Ursache in heftigen Konflikten, die die nunmehrige Reichsstadt im 14. und 15. Jahrhundert mit dem für den Bereich des Herzogtums Franken zuständigen Landgericht Würzburg austrug. 1442 erklärte der Rat, die Stadt heiße Schwäbisch Hall und liege auf schwäbischen Boden, also außerhalb des Zuständigkeitsbereichs des Würzburger Gerichts. 1489 erfolgte ein formeller Beschluss des Rates, die Stadt in allen offiziellen Schreiben als Schwäbisch Hall zu benennen.

Anschließend gingen wir weiter zum Pranger und redeten über Henkersfamilien. Aufgrund des starken Nebels konnten wir von dort aus nicht bis zum Henkersturm sehen. Aufgaben des Henkers waren z.B. Kadaverbeseitigung und Beseitigung des Abfalls in den Kocher. Auch war er für das Bestrafen zuständig, wovon es zwei verschiedene Arten gab. Es gab erstens Körperstrafen, wie z.B. das Schlitzen der Ohren oder zweitens Ehrenstrafen. Im letzen Fall wurde man an den Pranger gestellt und von den übrigen Bürgern mit Gemüse beworfen oder bespuckt. Gefängnisstrafen gab es nicht.

Der Marktplatz umfasst Gebäude von der Romanik über die Gotik, Renaissance, den Barock bis zum Klassizismus und gilt wegen seiner harmonischen Gesamtwirkung als einer der schönsten in Deutschland. Nach der Besichtigung des Marktplatzes führte uns Frau Herterich in die sehr mittelalterliche Pfarrn- und Herrengasse. Dort befindet sich das Haus von Johannes Brenz, ein von einer Rede Martin Luthers beeindruckter Geistlicher und Reformator, der von 1522 bis 1548 in Schwäbisch Hall gelebt hat. Zum Aufwärmen machten wir einen kleinen Abstecher ins Hällisch-Fränkische Museum, wo wir anhand eines Stadtmodells mehr über Schwäbisch Hall erfuhren. Dort war wegen der alten Dokumente nur Fotografieren ohne Blitz erlaubt.

Zu guter Letzt besichtigten wir die Kirche St. Michael, die 1156 geweiht wurde. Als wir auf der großen Treppe, wo die berühmten Freilichtspiele stattfinden, ein Gruppenfoto machten, erklärte uns Frau Herterich, dass diese nur als Stütze vor dem Einstürzen der Kirche dient. Auch der Eingangsbogen wurde verkleinert, um für mehr Stabilität zu sorgen. Die Kirche St. Michael ist eine protestantische. Im Inneren befinden sich herausragende Kunstwerke wie der niederländische Flügelaltar, das Kruzifix des Bildhauers Michel Erhard und die filigrane Steinpyramide des Sakramentshäuschens. Im Chorraum befindet sich weiter ein Epitaph des Stadtmeisters Johann Friedrich Bonhoeffer, der Angehöriger einer in der Reichsstadt lange einflussreichen Familie war, von der auch der lutherische Theologe Dietrich Bonhoeffer abstammt. Daneben liegt das einzige Grab der ganzen Kirche. Beerdigt ist hier Thomas Schweiger, der ohne Arme auf die Welt kam. Trotzdem war er Kunstschreiber, denn er benutzte seine Füße dazu. Deswegen haben ihn viele bewundert. Besonders beeindruckt waren wir alle, als wir einen Einblick in das Beinhaus bekamen. Da alle Menschen ihre letzte Ruhe in der Kirche haben wollten, liegen unter St. Michael von ungefähr 3000 Menschen die Schädel und Oberschenkelknochen.

Um 11.20 Uhr verabschiedeten wir uns mit Applaus von Frau Herterich, und Herr Mühlich dankte ihr für die tolle Führung. Pünktlich um 11.30 Uhr wartete der Bus am Holzmarkt auf uns, und wir konnten auf der Heimfahrt die erlebten Dinge verarbeiten und uns auf unseren Nachmittagsunterricht „freuen“.

© Lena Riethmüller und Susann-Marie Zeiler



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